Magazin: CD-Kritiken
Heimweh - Schubert Lieder

Details zu Heimweh - Schubert Lieder: Anna Lucia Richter, Gerold Huber, Matthias Schorn

Heimweh - Schubert Lieder: Anna Lucia Richter, Gerold Huber, Matthias Schorn

Momente der Selbstvergessenheit

Anna Lucia Richter und Gerold Huber erzählen von der Verletzlichkeit im Schubert-Lied, die der Komponist in Schönheit verwandelte.

Gibt es ein Dasein jenseits jeglichen Wollens? Unambitioniertes Erkennen, ohne es in Worte fassen zu müssen, es auch nicht zu wollen? Die Sopranistin Anna Lucia Richter beschreibt dieses Dasein als Schlüssel zum Paradies, wohl wissend, dass sich bestenfalls nur Momente dieser Art des Daseins beschwören lassen, aber wiederkehrend. Von dieser Idee geleitet nähert sie sich den Liedern von Franz Schubert. Alle Verletzlichkeit, welche in den Liedern beschrieben wird, hat Schubert durch seine Klangsprache in Schönheit verwandelt, was dazu führt, dass man sich nach dieser Verletzlichkeit sehne, um über das Erlebnis der Schönheit im Augenblick des Erklingens Trost zu finden. So versteht Anna Lucia Richter Schubert und spürt diesem Phänomen nach.

Fünfzehn Lieder hat sie aus dem überreichen Fundus ausgewählt, darunter auch je drei „Lieder der Mignon“ und Nummer 1, 2 und 6 aus „Ellens Gesang“. Reflexionen über „Heimweh“ leiteten sie bei der Zusammenstellung. Bevor das titelgebende Lied erklingt, singt sie von der Trauer um den Freund, beschwört sie im „Der Zwerg“ in expressiver Düsternis das Schicksal, trauert mit dem Totengräber, erzählt mit sprühender Heiterkeit von „Violas“ Hochzeitsvorfreuden und sinniert sinnlich berückend über den Weltschmerz.

Immer entwickelt Anna Lucia Richter ihren Ton aus dem scheinbaren Nichts heraus an der Grenze fahler Passivität, gradlinig fließend und sicher, was ihr jegliche Wendung in extreme dramatische wie beglückende Momente ermöglicht. Mühelos bewegt sie sich im hohen Register, changierend zwischen Wärme und glitzernder Strahlkraft. Zum Finale der CD „Heimweh: Schubert-Lieder“ erklingt „Der Hirt auf dem Felsen“ an der Seite des auch schon zuvor brillant begleitenden Gerold Huber am Klavier und hier dazu Matthias Schorn, der in seinem Klarinettenspiel den einfühlsamen Gesang Anna Lucias Richter fast noch übertrifft. So berückend kann Heimweh sein.


Christiane Franke, 08.12.2022

Label: Pentatone Classics
Interpretation: 
Klangqualität: 
Repertoirewert: 



Video der Woche:

Rubinstein spielt Chopin - Etude As-dur op.25 Nr 1

Unser Service:

 Schriftgröße   + / - 

Drucker Seite drucken

RSS RSS


Anzeigen

Class aktuell (3/2022) herunterladen (5000 KByte)

NOTE 1 - Mitteilungen (2/2023) herunterladen (5000 KByte)